• NABU: Stadtverband Bielefeld e.V.
  • BUND: Kreisverband Bielefeld
  • Naturwissenschaftlicher Verein für Bielefeld und Umgegend e.V.
  • pro grün Bielefeld e.V.

Hinweistafel
Schwarzspecht (Foto: Stelzer)
Dohle (Foto: Andreas Schäfferling)
Grünspecht (Foto: Andreas Schäfferling)
Abendsegler (Foto: Maescher)
Menschenkette

Aktion der Bielefelder Naturschutzverbände am 13.3.2010:

"Rettet den Strothbachwald"

Die Bielefelder Naturschutzverbände NABU, BUND, Naturwissenschaftlicher Verein und pro grün Bielefeld protestierten am 13.3.2010 gegen die Zerstörung des Naturschutzgebiets Strothbachwald durch Erweiterungspläne der Spedition Wahl & Co. Sie wurden unterstützt durch Mitglieder der Sennestädter Initiative zum Schutz der Sennedünen und der Bürgerinitiative für Senne, Wald und Trinkwassererhalt. Auch der Wanderwart des Sennestadtvereins bekundete seine Solidarität. An der Protestaktion beteiligten sich knapp 30 Natur- und Landschaftsschützer aus ganz Bielefeld. 

Ihren Aufruf an den Oberbürgermeister, den Rat und die Verwaltung der Stadt Bielefeld sowie die Fa. Wahl und Co., den ökologisch höchst wertvollen Wald zu erhalten und im Sinne der Naturschutzziele des Landschaftsplans Senne zu entwickeln, unterstrichen die Teilnehmer durch die Erfassung und Kennzeichnung der wertvollen "Biotopbäume" im NSG Strothbachwald: Dies sind zumeist alte, teils prächtige Buchen- und Eichenbäume mit Höhlen, Horsten, Rinden- oder Stammspalten, Totholz, Astausbrüchen, Faulstellen und Pilzbewuchs, die alle gemeinsam wichtige Strukturen für eine sehr artenreiche Lebensgemeinschaft bilden und neben Schlaf-, Rast-, Ruhe- und Niststätten ein reiches Nahrungsangebot für vielerlei Waldarten bieten (Vögel, Fledermäuse, Insekten). Alte Bäume sind außerdem grundsätzlich potentielle Höhlenquartiere für viele weitere Spechtgenerationen, auch wenn sie augenblicklich noch nicht als solche genutzt werden. 

In einer Bestandserfassung im vorletzten Jahr wurden beispielsweise allein unter den Waldvogelarten 15 Höhlenbrüter nachgewiesen sowie mind. 4 Fledermausarten. Naturschutzfachlich besonders bedeutend sind darunter:

  • der Schwarzspecht, der hier über Jahrzehnte eines der bedeutendsten Höhlenzentren in ganz Bielefeld aufgebaut und damit die Grundlage für viele weitere "Nachmieter" geschaffen hat,
  • die Dohle, die mit knapp 20 Brutpaaren in alten Schwarzspechthöhlen im NSG und seinem nahen Umfeld eine der ganz wenigen größeren Bielefelder Kolonien besitzt, die in Naturhöhlen brüten,
  • die scheue und seltene Hohltaube, deren natürliches Vorkommen fast ausschließlich vom Angebot alter Schwarzspechthöhlen abhängt, 
  • der Waldkauz, der (wie auch der Habicht) als "europäische Vogelart" (EU-Vogelschutzrichtlinie) besonders streng geschützt ist,
  • Grün- und Kleinspecht, die ebenfalls nach europäischem Recht streng geschützt oder auf der Roten Liste gefährdeter Arten in NRW geführt werden,
  • sowie die nach europäischem Recht (FFH-Richtlinie) streng zu schützenden und nach Roter Liste tlw. gefährdeten Fledermausarten Großer Abendsegler, Kleinabendsegler, Braunes Langohr und Zwergfeldermaus

Obwohl die Zeit von rund 2 Stunden nicht ganz ausreichte, um alle Strukturen vollständig zu erfassen und zu kennzeichnen, dokumentierten die Naturschützer am 13.3.2010 in dem nur ca. 2,5 ha großen Waldstück folgende wertvolle Biotopstrukturen:

  • 59 Höhlenbäume mit
  • 83 Höhlen, davon alleine 53 vom Schwarzspecht
  • 135 weitere wertvolle Biotopbäume, darunter 26 mit weiteren Stammschäden und sspalten, 48 mit hohem Totholzangebot und 24 mit zusätzlichen Ausbrüchen und Faulstellen

Außerdem wurde durch den Fund mehrerer Rupfplätze nachgewiesen, dass das NSG einen essentiellen Bestandteil eines Habichtreviers darstellt. 

Ihren Abschluss fand die Aktion durch eine Menschenkette: Verknüpft durch Portraits der baumbewohnenden Tierarten stellten sich die Teilnehmer schützend vor den Wald des Naturschutzgebiets, um ihren Willen zur Erhaltung dieses wertvollen und artenreichen Biotops Nachdruck zu verleihen. 

Nachdem zum Start der Aktion trompetende Kraniche, die "Vögel des Glücks", auf ihrem Rückweg ins Brutgebiet über den Strothbachwald zogen, die Erhebungsteams fortwährend durch Rufe verschiedener Meisenarten, des Kleibers und der Dohlen begleitet wurden und zum Aktionsende die Rufe von Schwarzspecht und Grünspecht durch den Wald schallten, hoffen die Verbände nun, dass auch die Verantwortlichen in Kommunalpolitik und Stadtverwaltung sowie die Geschäftsführung der Spedition Wahl die Signale wahrgenommen haben und die richtigen Entscheidungen zum Erhalt dieses Naturkleinods treffen! 

 

Zum kommunalpolitischen Hintergrund der Aktion

Die Stadt Bielefeld hat es "versäumt", das seit 1995 im Landschaftsplan Senne rechtskräftig festgesetzte Naturschutzgebiet "Buchen-Eichenwald Strothbach" bauplanungsrechtlich abzusichern. In einem offenen Brief kritisieren die Naturschutzverbände diese, möglicherweise vorsätzliche Missachtung des Ratsbeschlusses, mit dem der Landschaftsplan vor nunmehr 15 Jahren (!) in Kraft gesetzt wurde. Der wahlweise Rückgriff bei den bisherigen Baugenehmigungen für die Firma Wahl - offenbar je nach gewünschtem Ergebnis - mal auf den alten, mal auf den neu in Aufstellung befindlichen (aber nie beschlossenen) Bebauungsplan nährt diesen Verdacht. 

Aufgrund des langen Zeitraumes von vielen Jahrzehnten, den die hier von der Vernichtung bedrohten Waldstrukturen für ihre Entstehung benötigen, sind sie nicht ersetzbar und genießen daher auch einen hohen rechtlichen Schutz. Die Bielefelder Naturschutzverbände werden alles ihnen Mögliche unternehmen, um diesen Schutz auch zukünftig durchzusetzen. Sie appellieren eindringlich an den Oberbürgermeister, den Rat und die Planungsverwaltung sowie die Inhaber und Geschäftsführer der Fa. Wahl & Co., im internationalen Jahr der biologischen Vielfalt 2010 einen der naturschutzfachlich wertvollsten Wälder Bielefelds nicht dem Flächenfraß zu opfern! Der Strothbachwald muss im öffentlichen Eigentum der Stadt Bielefeld verbleiben und darf nicht verkauft werden. Unser gemeinsames Bielefelder Naturerbe muss auch für künftige Generationen erhalten bleiben und darf nicht kurzfristigen Finanzinteressen geopfert werden! 

Die Naturschutzverbände fordern Oberbürgermeister, Rat und Verwaltung der Stadt Bielefeld im Einzelnen auf, 

  • den Bebauungsplan "Industriegebiet Schlinghofstraße" unverzüglich so zu ändern, dass die bis heute verbliebenen Waldflächen als solche festgesetzt und das NSG Strothbachwald auch baurechtlich verbindlich gesichert wird,
  • die derzeit im Eigentum der Stadt befindlichen Waldflächen nicht zu verkaufen sondern im öffentlichen Besitz zu behalten, um eine den Naturschutzzielen optimal entsprechende Entwicklung sicherzustellen,
  • ein Pflege- und Entwicklungskonzept für das NSG und die umgebenden Waldflächen aufzustellen und umzusetzen, um die im Landschaftsplan festgesetzten Entwicklungsziele zu erreichen und störende Eingriffe in die natürliche Altersphase der Bäume auszuschließen, sofern diese nicht durch zwingende Gründe der Verkehrssicherung unumgänglich sind,
  • im Sinne einer "kreativen Lösung" (Koalitionsvereinbarung 2010-2014) gemeinsam mit der Firma Wahl eine Vorhabensalternative zu erarbeiten, die den vollen und unbefristeten Schutz des NSG, der nordwestlich unmittelbar angrenzenden Strothbachaue als Pufferzone und der benachbarten Waldflächen garantiert.

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