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Lösung

Die Speispinne – eine Leopardin auf acht Beinen

Die Speispinne Scytodes thoracica (Familie Sicariidae), die einzige heimische Art aus ihrer Familie, ist verhältnismäBig leicht zu erkennen. Sie besitzt nur 6 Augen, die jeweils paarweise am Vorderrand und an den Seitenrändem des Vorderkörpers gruppiert sind. Die Grundfärbung ist gelblich mit brauner bis schwarzer Fleckenzeichnung, die auf dem Vorderkörper ein charakteristisches. „lyraförmiges" Muster bildet. Der zum abgestutzten Hinterende schräg ansteigende Vorderkörper ist meist deutlich breiter als der Hinterkörper. Die Gesamtlänge beträgt ca. 4-6 mm.

Die Speispinne ist ein Gast aus Südeuropa und kommt bei uns fast ausschlieBlich in Häusem vor. Hier hält sie sich tagsüber meist verborgen und geht nachts auf Beutefang. Das Fangverhalten zählt mit zu den erstaunlichsten Verhaltensweisen, die bei Spinnen vorkommen. Wie schon ihr deutscher Name andeutet - außer Speispinne wird auch die Bezeichnung Leimschleuderspinne verwendet - fängt Scytodes die Beute nicht in Netzen, sondern durch das Ausspeien klebriger Spannfähigen aus den Collagieren. Die Spinne pirscht sich mit sehr langsamen, gewissermaßen "schleichenden" Bewegungen an das Beutetier an, bleibt etwa I-2 cm davor ruckartig stehen und schleudert aus den beiden Öffnungen der Chelicerenklauen Spinnfäden mit Klebtropfen über das Opfer. Dieses ist augenblicklich durch zickzackförmig ausgebreitete Leimfäden an die Unterlage gefesselt. Anschließend wird die Beute mit einem Biss gelähmt und ausgesogen.

Ermöglicht wird dieses einzigartige Verhalten durch eine besondere Entwicklung der Giftdrüsen. Diese bestehen nämlich bei ihr aus jeweils zwei getrennten Teilen, einem größeren, der die Klebfaden produziert und einem kleineren, in dem das Gift gebildet wird. Zusätzlich besitzt die Speispinne die für Spinnen üblichen Spinnwarzen. Hiermit webt sie unregelmäßige, nur raus wenigen Fäden bestehende Gespinste, in denen sie sich tagsüber aufhält. Auch die Eier werden von wenigen Spinnfäden locker umhüllt.

Durch ihre verborgene, nächtliche Lebensweise ist ein Fund dieser interessanten Spinnenart in unseren Breiten immer ein besonderer Glücksfall, wenngleich sie auch in manchen Gegenden, vor allem in Süddeutschland, keineswegs selten ist. Viel öfter begegnet man ihr in ihrer eigentlichen Heimat, dem Mittelmeergebiet. Dort lebt sie auch im Freien, und man kann sie vor allem unter größeren, hohl aufliegenden Steinen häufig finden. Die Speispinne ist leicht zu halten und nimmt z.B. gem Taufliegen (Drosophila) als Nahrung. Einen ausführlichen Beitrag zur Biologie dieser Spinne lieferte DABELOW (1958).

Textquelle: Heiko Bellmann, Taschenführer Spinnen,
Verlag Neumann-Neudamm

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